Versionierung, Entwicklung, Finanzierung

QGIS wird seit 2002 kontinuierlich weiterentwickelt. Seit Version 2.0 (September 2013) wird QGIS immer in jeweils 3 laufenden Versionen angeboten:

Bezeichnung Zielgruppe Turnus Aktuell (Stand: November 2025)
Long Term Release (LTR) Unternehmen, Behörden und Einrichtungen Jährlich im Oktober 3.40.12 'Bratislava'
Latest Release (LR) Anwender mit Bedürfnis nach neuesten Funktionen Quartalsweise QGIS 3.44.5 'Oslo'
Development Version Entwickler, Tester Nächtliche Builds 4.0.0 'Master' (Qt6-Migration)

Eine neue QGIS-Version ist da! Was hat sich geändert?

QGIS verändert sich rasant, aber rein äusserlich unterscheiden sich neue Versionen kaum von älteren. Die wichtigsten Neuerungen:

  • Performance-Optimierungen (z. B. 3D-Rendering, Layer-Ladezeiten)
  • Neue Ausdrücke & Werkzeuge (aktuell: verbesserte LiDAR-Integration in 3.36, „overlay“-Ausdrücke seit QGIS 3.30)
  • Erweiterung der Kontextmenüs (Rechtsklick auf „irgendwas“ öffnet Kontextmenü, was immer umfangreichere Funktionen bietet)
  • Bugfixes & Sicherheitsupdates

Die vollständigen Änderungen sind in den visuellen Changelogs dokumentiert:

QGIS aktualisieren (Windows)

Die QGIS-Aktualisierung unter Windows erfolgt in der Regel manuell durch eine Neuinstallation. Bei einer Neuinstallation wird - anders als bei einem Update - alles ausgetauscht statt nur die „neueren“ Bestandteile. Beim Deistallieren-Neuistallieren gehen keine Einstellungen verloren! Wenn gewünscht kann QGIS auch in mehreren Versionen koexistieren, das kann allerdings schnell verwirrend werden.

Installer-Download

  1. Optional: Vorhandene QGIS-Version über „Systemsteuerung > Programme deinstallieren“ entfernen
  2. Neue Version installieren (beide Versionen können zunächst parallel existieren)
  3. Zu einem späteren Zeitpunkt kann bei Bedarf die alte Version deinstalliert werden
  • Nutzereinstellungen befinden sich unter: C:\Users\<Benutzername>\AppData\Roaming\QGIS\QGIS3\profiles\default
  • Alle QGIS3-Versionen (3.x) nutzen das gleiche Profilverzeichnis
  • Updates zwischen QGIS3.x-Versionen sind versionserhaltend:
    1. Benutzeroberfläche
    2. Datenbankverbindungen
    3. Webdienste (WMS/WFS)
    4. Modelle und Python-Skripte
    5. Plugin-Konfigurationen
  • Deinstallation entfernt keine persönlichen Einstellungen
  • Bei großen Versionssprüngen (z.B. 3.16 → 3.34) können einzelne Plugins Inkompatibilitäten zeigen

Entwicklung

QGIS wird von einer weltweiten Gemeinschaft entwickelt, bestehend aus Freiwilligen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass QGIS als flexible und leistungsstarke GIS-Software in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen eingesetzt werden kann.

Die zentrale Entwicklungsplattform für QGIS ist GitHub. Hier können Entwickler:innen Fehlerberichte (Bug Report) und Funktionswünsche (Feature Request) einreichen.

Anfang 2019 ist QGIS vom Redmine-Project-Management zu GitHub umgezogen.

Nutzen Sie die Entwicklerplattform, um Fehler zu melden oder Wünsche zu äußern! OpenSource lebt davon, dass die Gemeinschaft aktiv zur Verbesserung der Software beiträgt.

Finanzierung

QGIS ist ein gemeinschaftsfinanziertes Open-Source-Projekt, das sich durch vier Säulen trägt:

Finanzierungsquelle Beispiele/Details
Hauptsponsoren Gold-/Platin-Sponsoren (z. B. OPENGIS.ch, Safe Software)
Community-Sponsoring Einzelpersonen, NGOs, Kommunen über Fördermitgliedschaften
Grants & Crowdfunding Gezielte Kampagnen (z. B. 3D-Funktionen 2021) via QGIS.ORG
In-Kind-Leistungen Entwicklungszeit von Behörden (z. B. Kanton Zürich) und Unternehmen

Die Mittel werden prioritär für folgende Bereiche eingesetzt:

  • Infrastruktur: Serverkosten (≈15.000 €/Jahr), CI/CD-Pipelines
  • Community-Events: Hackfests (3-4/Jahr), QGIS-Konferenzen
  • Kernentwicklung: Bezahlte Entwicklerstunden für kritische Bugs/Sicherheitslücken
  • Lokalisierung: Übersetzungstools und Community-Management

Transparenz: Das QGIS Governance Board veröffentlicht jährlich detaillierte Finanzberichte:

Beispiele erfolgreicher Finanzierungen

Wie kann ich beitragen?

  1. Einmalige Spende (PayPal/Kreditkarte)
  2. Fördermitgliedschaft (ab 5 €/Monat)
  3. QGIS Store: Merchandise-Käufe unterstützen das Projekt
  4. Unternehmen: Corporate Membership (ab Silber-Sponsor: 2.500 €/Jahr)


Mythen vs. Fakten: Proprietäre Software vs. Open Source

Diese Übersicht stellt gängige Vorurteile gegenüber Open Source Software (OSS) der Realität in modernen IT-Infrastrukturen gegenüber. Der Fokus liegt auf GIS-Systemen (QGIS vs. ArcGIS), Server-Diensten (Nextcloud vs. MS SharePoint) und Betriebssystemen.

Aspekt Mythos / Proprietäre Realität (z.B. ArcGIS, Windows) Faktenlage Open Source (z.B. QGIS, Linux, Python) Vorteil für IT-Profis & Business
Sicherheit & Audit „Security by Obscurity“

Man muss dem Hersteller blind vertrauen, dass keine Backdoors existieren. Sicherheitslücken werden oft erst nach Monaten im Rahmen fester Patch-Zyklen geschlossen.
„Security by Design & Transparency“

Der Code wird weltweit auditiert. Sicherheitslücken in Linux oder Apache werden oft binnen Stunden nach Entdeckung gefixt. Behörden (z.B. BSI) empfehlen OSS für kritische Infrastruktur (Digitale Souveränität).
Risikominimierung.
Sie haben die Kontrolle über Sicherheitsupdates und sind nicht vom Zeitplan eines US-Konzerns abhängig.
Datenhoheit & Standards Vendor Lock-in

Proprietäre Formate (z.B. alte .gdb, .dwg) zwingen zur Nutzung der Hersteller-Software. Export ist oft verlustbehaftet oder erschwert.
Open Standards (OGC / ISO)

OSS priorisiert offene Formate (GeoPackage, PostGIS, OpenDocument). GDAL ist der Industriestandard für Geodaten-I/O und wird selbst von proprietären Tools im Hintergrund genutzt.
Zukunftssicherheit.
Ihre Daten bleiben auch in 20 Jahren lesbar, unabhängig von der Existenz einer bestimmten Softwarefirma.
Support & Haftung „Ohne Lizenz kein Support“

Support ist an teure Wartungsverträge gebunden. Oft endet der Support bei „First-Level“ (Skript-Antworten), ohne direkten Draht zur Entwicklung.
Ökosystem professioneller Dienstleister

Es existieren Firmen, die SLAs und Enterprise-Support anbieten. Da der Code offen ist, können Fehlerbehebungen direkt beauftragt und implementiert werden („Fix it or pay to fix it“).
Investition statt Miete.
Budget fließt in echte Problemlösung oder Mitarbeiterschulung statt in reine Lizenzgebühren (OpEx vs. Invest).
Flexibilität & Anpassung „Friss oder stirb“

Features kommen auf die Roadmap, wenn es für den Umsatz des Herstellers relevant ist. Nischenanforderungen werden oft ignoriert.
Modulare Erweiterbarkeit

Über Python-Schnittstellen (z.B. in QGIS, Blender) kann fast jede Funktion automatisiert oder umgeschrieben werden. Eigene Plugins lassen sich nahtlos integrieren.
Maßgeschneiderte Workflows.
Die Software passt sich dem Unternehmensprozess an, nicht umgekehrt.
Performance & Ressourcen Bloatware

Proprietäre Suites schleppen oft Legacy-Code und Lizenz-Management-Dienste mit, die Systemressourcen binden (Startzeiten von Minuten).
Schlanke Architektur

Tools wie QGIS oder reine GDAL-Skripte sind oft hochoptimiert. Linux-Server benötigen einen Bruchteil der Ressourcen von Windows-Servern für gleiche Lasten.
Effizienz.
Schnellere Ergebnisse bei gleicher Hardware, längere Lebensdauer der Arbeitsplatzrechner.
KI-Support & Debugging „KI kann bei geschlossenen Systemen genauso gut helfen.“

Die KI (LLM) kennt nur die öffentliche Dokumentation. Der eigentliche Programmcode ist eine „Black Box“. Bei tiefgreifenden Fehlern oder undokumentiertem Verhalten muss die KI raten („Halluzination“).
KI kennt den Code.

Da der Quellcode (z.B. QGIS Core, GDAL-Bibliotheken) in den Trainingsdaten der KI enthalten ist, kann sie exakte Erklärungen zur internen Logik liefern, komplexe PyQGIS-Skripte schreiben, die tief in die API greifen, und Fehlermeldungen anhand der Code-Zeile analysieren.
Massive Zeitersparnis.
Probleme werden durch KI-Analyse des Quellcodes sofort gelöst, anstatt auf den Support-Hotline-Rückruf zu warten.

Fazit für Entscheidungstragende

Der Einsatz von Open Source ist keine Entscheidung für „kostenlose Bastelsoftware“, sondern eine Entscheidung für technische Transparenz, Unabhängigkeit und Investitionssicherheit. Wer heute noch glaubt, dass proprietäre „Black Boxes“ sicherer oder professioneller seien, ignoriert die technische Realität der modernen Cloud- und Server-Landschaft, auf der selbst proprietäre Riesen aufbauen.

Zudem ist es ein wirtschaftspolitisches Statement: Anstatt Lizenzgebühren an steuersparende Großkonzerne in Übersee abzuführen, bleibt das Budget in der Region. Es finanziert Dienstleistungen lokaler Unternehmen und Freelancer, sichert so heimische Arbeitsplätze und steigert durch die regionale Wertschöpfung direkt das Bruttoinlandsprodukt (BIP).


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