Öffnen von SID-Rasterdaten (MrSID) in QGIS

MrSID (Multi-resolution Seamless Image Database, Dateiendung .sid) ist ein proprietäres, wavelet-basiertes Rasterformat von LizardTech - heute Extensis. Es war lange Zeit das Standardformat für großflächige Luftbilder und gescannte Karten und begegnet Ihnen daher vor allem in Altdatenbeständen.

Der Knackpunkt: Das Lesen von MrSID erfordert das DSDK (Decoding SDK) von Extensis. Dieses ist keine freie Software und darf nicht in jedem Paket mitgeliefert werden. Deshalb ist der MrSID-Treiber in GDAL nicht standardmäßig einkompiliert - er muss als Plugin nachinstalliert werden.

1. Prüfen, ob Ihr QGIS MrSID lesen kann

Bevor Sie irgendetwas installieren: Prüfen Sie, was Ihr GDAL bereits kann.

Variante A: In QGIS

  1. Einstellungen > Optionen > GDAL
  2. Unter Rastertreiber die Liste nach MrSID durchsuchen.
  3. Ist der Eintrag vorhanden und aktiviert, können Sie SID-Dateien direkt laden.

Variante B: Über die OSGeo4W-Shell (zuverlässiger)

Öffnen Sie die OSGeo4W-Shell (Startmenü, im QGIS-Ordner) und geben Sie ein:

gdalinfo --formats | findstr /i mrsid

Unter Linux/macOS:

gdalinfo --formats | grep -i mrsid

Erscheint eine Zeile wie MrSID -raster- (rov): Multi-resolution Seamless Image Database, ist alles vorhanden. Kommt keine Ausgabe, fehlt der Treiber.

Das (rov) in der Ausgabe bedeutet read-only, virtual-IO. MrSID kann von GDAL grundsätzlich nur gelesen, nie geschrieben werden. Ein „Export nach SID“ ist mit freien Werkzeugen nicht möglich - dafür braucht es die kostenpflichtige Extensis-Software GeoExpress.

2. MrSID-Treiber nachinstallieren (Windows)

Unter Windows ist der Weg über den OSGeo4W-Netzwerkinstaller der einfachste. Das Paket heißt gdal-mrsid und liegt in der Kategorie Libs.

  1. OSGeo4W-Installer herunterladen und starten (osgeo4w-setup.exe).
  2. Advanced Install wählen.
  3. Im Paketbaum unter Libs nach gdal-mrsid suchen und zur Installation markieren.
  4. Installation durchlaufen lassen, danach QGIS neu starten.
  5. Mit der Prüfung aus Schritt 1 kontrollieren, ob der Treiber jetzt erkannt wird.

Analog gibt es das Paket gdal-ecw für das ebenfalls proprietäre ECW-Format von Hexagon/ERDAS - dieselbe Problematik, derselbe Lösungsweg.

Wenn Sie QGIS über den Standalone-Installer (.msi) installiert haben, existiert kein OSGeo4W-Paketmanager auf Ihrem Rechner. Sie haben dann zwei Möglichkeiten: entweder QGIS zusätzlich über OSGeo4W installieren, oder die Daten einmalig von jemandem konvertieren lassen, der die Unterstützung hat (siehe Schritt 4).

Unter Linux ist der MrSID-Treiber in den Distributionspaketen aus Lizenzgründen praktisch nie enthalten. Hier bleibt nur, GDAL mit dem Extensis-DSDK selbst zu übersetzen. Seit GDAL 3.10 lässt sich der Treiber als eigenständiges Plugin bauen, was das deutlich vereinfacht - der Rest von GDAL muss nicht neu kompiliert werden.

3. SID-Datei in QGIS laden

Ist der Treiber vorhanden, verhält sich .sid wie jedes andere Rasterformat:

  1. Layer > Layer hinzufügen > Rasterlayer hinzufügen… (oder der Datenquellenverwaltung Strg+L)
  2. Bei Quelltyp Datei wählen, über zur .sid-Datei navigieren.
  3. Hinzufügen klicken.

Georeferenzierung: Fehlt dem Bild die Verortung, suchen Sie nach einer gleichnamigen Begleitdatei .sdw (World-File) im selben Verzeichnis. Ohne diese landet das Bild bei den Koordinaten 0/0. Ältere MrSID-Encoder (vor Version 1.5) haben zudem fehlerhafte GeoKeys geschrieben - bei solchen Altdaten kann eine manuell gesetzte oder korrigierte Projektion nötig sein.

4. Der bessere Weg: Konvertieren nach COG

MrSID ist ein Sackgassen-Format: proprietär, nur lesbar, abhängig von einem SDK, das Sie nicht kontrollieren. Wenn Sie SID-Daten dauerhaft nutzen wollen, konvertieren Sie sie einmalig in ein offenes Format.

Der heutige Standard dafür ist das Cloud Optimized GeoTIFF (COG) - ein GeoTIFF mit interner Kachelung und eingebauten Übersichtsebenen. Es liefert dieselbe flüssige Darstellung großer Bilder wie MrSID, ist aber offen und von jedem Werkzeug lesbar.

In der OSGeo4W-Shell (auf einem Rechner mit MrSID-Unterstützung):

gdal_translate -of COG -co COMPRESS=DEFLATE -co PREDICTOR=2 -co NUM_THREADS=ALL_CPUS input.sid output.tif

Ersetzen Sie input.sid durch den Pfad zu Ihrer SID-Datei und output.tif durch den gewünschten Ausgabenamen.

Parameter Bedeutung
-of COG Ausgabeformat Cloud Optimized GeoTIFF (Kachelung + Übersichten werden automatisch angelegt)
-co COMPRESS=DEFLATE Verlustfreie Kompression. Für Luftbilder ist COMPRESS=JPEG -co QUALITY=85 meist sinnvoller - deutlich kleiner bei kaum sichtbarem Qualitätsverlust
-co PREDICTOR=2 Verbessert die Kompressionsrate bei DEFLATE spürbar
-co NUM_THREADS=ALL_CPUS Nutzt alle Prozessorkerne

Rechnen Sie mit Größenzuwachs. MrSID komprimiert stark verlustbehaftet. Ein 500-MB-SID kann als unkomprimiertes GeoTIFF mehrere Gigabyte belegen - deshalb ist die Angabe einer Kompression hier keine Kür, sondern Pflicht.

Seit GDAL 3.11 gibt es zusätzlich das neue, einheitliche gdal-Kommando mit Unterbefehlen (gdal raster convert …). Die klassischen Werkzeuge wie gdal_translate bleiben aber weiterhin verfügbar und sind für diesen Zweck völlig ausreichend.

Alternativ geht die Konvertierung auch ohne Kommandozeile über die QGIS-Werkzeugkiste: Raster > Konvertierung > Umwandeln (konvertieren) bzw. das Processing-Werkzeug GDAL > Rasterkonvertierung > Umwandeln.

5. Wenn gar nichts geht

Haben Sie keine Möglichkeit, den Treiber zu installieren:

  • Beim Datenlieferanten nachfragen. Viele Vermessungs- und Katasterverwaltungen liefern ihre Luftbilder inzwischen als GeoTIFF/COG, JPEG2000 oder als WMS/WMTS-Dienst aus. Oft ist die SID-Datei nur noch ein Altbestand, für den es längst eine offene Alternative gibt.
  • Extensis GeoViewer (kostenlos, Windows) kann SID-Dateien anzeigen und in andere Formate exportieren.
  • JPEG2000 als Zwischenformat: Neuere Versionen des DSDK lesen auch JP2. Umgekehrt liest GDAL JPEG2000 über den freien Treiber JP2OpenJPEG ohne jedes proprietäre SDK - wenn Ihr Lieferant JP2 anbieten kann, ist das Problem damit erledigt.

Kurzfassung

  1. gdalinfo –formats prüfen - ist MrSID dabei?
  2. Wenn nein: OSGeo4W-Installer > Advanced Install > Libs > gdal-mrsid.
  3. Einmalig nach COG konvertieren und künftig damit arbeiten.

Diese Lektion wurde am 19.03.2024 mit ChatGPT4 erzeugt und am 17.08.2026 fachlich überarbeitet und geprüft (Quellen: GDAL MrSID Driver, OSGeo4W Paketindex).